Faltenunterspritzung (Eigenfett, Hyaluronsäure-Präparate, Kollagen-Präparate, Hydroxylapatit (Radiesse) und kritische Anmerkungen zu Präparaten mit Kunststoffbestandteilen)

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Unsere Philosophie zur Faltenunterspritzung beruht auf einer über 20-jährigen Erfahrung. Bereits Anfang der 80er Jahre haben wir die ersten Kollagen Behandlungen vorgenommen und haben diese damals neuartige Methode der Hautverjüngung in Deutschland miteingeführt. In den Folgejahren kamen weitere sogenannte Filler auf den Markt. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen komplett abbaubaren, zwischen teilweise abbaubaren und nicht abbaubaren Substanzen zur Faltenunterspritzung.

 

  1. Die bekanntesten abbaubaren Substanzen sind Kollagen-Präparate und Hyaluronsäure-Präparate. Ein neueres ebenfalls sehr langsam abbaubares Implantat ist das Hydroxylapatit. Diese Substanzen haben den Vorteil, dass sich evtl. entwickelnde Nebenwirkungen durch den kompletten Abbau vollkommen zurückbilden. Allerdings lässt auch die Wirkung je nach Substanz und Implantationsort nach 3-24 Monaten nach.
  2. Bei den teilweise abbaubaren Substanzen handelt es sich um microfeine Acrylate, die in Kollagen, Hyaluronsäure oder in gelartigen Wasserlösungen aufgelöst sind. Bei diesen Acrylaten handelt es sich um Kunststoffpartikel, die sich nicht abbauen und im Körper eine Gewebereaktion hervorrufen. Die Trägersubstanzen Kollagen bzw. Hyaluronsäure werden in üblicher Weise abgebaut. Die im Gewebe dauerhaft lagernden Acryl-Kunststoffpartikel können in Einzelfällen sehr ausgeprägte und entstellende Gewebewucherungen hervorrufen, die sehr schwierig weg zu bringen sind und deswegen die betroffenen Patienten sehr belasten.
  3. Als bekanntester Vertreter der nicht abbaubaren Substanzen sind flüssige Silikonöle zu nennen, von deren Verwendung alle seriösen Plastischen Chirurgen dringend abraten.

Diese kurze Beschreibung der wesentlichen Eigenschaften und Unterschiede der verschiedenen Filler erklärt auch unsere grundsätzliche Philosophie: Bei uns kommen nur Implantate aus der ersten Gruppe der komplett abbaubaren Filler zur Anwendung. Wir nehmen eine kürzere Haltbarkeit in Kauf, da wir den Patienten vor entstellenden Wucherungen, so genannten Granulomen schützen wollen. Auch wenn diese Komplikationsrate statistisch sehr niedrig ist, erscheint uns der Preis viel zu hoch, den die wenigen entstellten Patienten zahlen müssen. Die Entstellungen können derart schlimm sein, dass die Patienten in lebensbedrohliche psychische Krisen geraten können.

Unter dem Aspekt von Haltbarkeit und Nebenwirkungen der so genannten Filler bekommt die vor einigen Jahren entwickelte Methode der Eigenfettunterspritzung (Lipofilling) nach Coleman eine besondere Bedeutung. Wenn man diese Methode als Alternative in Erwägung zieht, muss man wissen, dass es sich hierbei um einen operativen Eingriff handelt mit entsprechendem Aufwand für Arzt und Patient. Während die Faltenunterspritzung mit Fillern als kleine Behandlung während der Sprechrunde mit sehr dünnen Kanülen durchgeführt wird, muss die Eigenfettunterspritzung (Entnahme und Unterfütterung) unter hoch sterilen Bedingungen im Operationssaal vorgenommen werden. Auch sind für die Fettunterspritzung deutlich dickere Kanülen erforderlich, die Blutergüsse und Schwellungen für 5-7 Tage verursachen können. Das entnommene Fett wird für eine spätere Nachbehandlung teilweise tiefgefroren. Die Erfolgsaussichten der Eigenfettunterfütterung sind bei richtigen Indikationsstellen sehr gut, da bei jeder Behandlung 40%-50% der transplantierten Fettzellen dauerhaft angehen.

Eine individuelle Beratung ist vor jeder Faltenbehandlung unbedingt erforderlich, damit der Patient das am besten geeignete Verfahren entsprechend seiner Erwartung erhält. Hierbei spielen nicht nur Faktoren wie Verträglichkeit und Haltbarkeit eine Rolle, sondern auch unterschiedliche Ausfallzeiten im beruflichen und sozialen Leben bei den einzelnen Behandlungsverfahren.

Die Behandlung mit Kollagen und Hyaluronsäure eignet sich für Patienten etwa ab dem 30. Lebensjahr. Dabei lassen sich Falten der Nasolabial- und Mundregion, sowie auch in der Stirn- und seitlichen Augenregion behandeln. Die Behandlung wird ambulant in oberflächlicher Betäubung durchgeführt. Mit einer sehr dünnen Nadel wird dann das Material in die Falten gespritzt. Für ein bis zwei tage besteht, wenn überhaupt, eine leichte Schwellung. Der Verjüngungseffekt hält etwa drei bis 12 Monate (je nach Injektionsort und Hauttyp) lang an und kann beliebieg oft wiederholt werden. Wichtig ist, dass Sie 7 Wochen vor der Kollageninjektion eine Testinjektion zum Ausschluss einer Allergie erhalten. Hyaluronsäure hat den Vorteil, dass bei diesem Präparat keine Testinjektion notwendig ist. Die Behandlung dauert etwa 20 Minuten.

Die Haltbarkeit von neueren Hyalurosäure-Präparaten wurde um einige Monate verbessert, indem die Moleküle quervernetzt wurden.

Lippenvergrößerung

Zu schmale Lippen lassen sich durch alle bekannten Filler verbreitern. Den besten Kompromiss zwischen Haltbarkeit und Verträglichkeit stellt nach unserer Meinung das Hydroxylapatit-Präparat-Radiesse dar. Die Unterspritzung dauert etwa 30 Minuten und wird in örtlicher Betäubung ambulant durchgeführt. Nach der Behandlung sind die Lippen für einige Tage geschwollen. Der Effekt hält einige Monate an.

Narbenbehandlung

Atrophische (eingezogene, unter Hautniveau) Narben lassen sich mit Kollagen / Hyaluronsäure / Hydroxylapatit behandeln. Dabei sind oft mehrmalige Injektionen im Abstand von mehreren Monaten notwendig. Die Technik ist dieselbe wie bei der Faltenbehandlung.

Faltenunterspritzung mit Eigenfett

Eine neue Methode macht die Eigenfettunterspritzung erfolgreicher als bisher. Durch Entwicklung feinerer Kanülen und durch Aufarbeitung des Fettes (z.B. vom Bauch) in einer Zentrifuge kann das Fett feiner eingespritzt und verteilt werden. Dies verbessert die Chancen der Fettzellen, dauerhaft zu überleben. Man kann nicht nur tiefe Falten unterspritzen, sondern einem eingefallenen Gesicht eine neue straffe und jugendliche Kontur mit der Eigenfettunterspritzung geben. Der Eingriff in örtlicher Betäubung dauert je nach Umfang zwischen ½ bis 2 Stunden. Eine mehrtägige Schwellung und danach eine leichte Gewebeverhärtung müssen in Kauf genommen werden.